Apparaturen

Thermobögen

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Stahlbögen haben "Thermobögen" ein Formgedächtnis. Die auf den Zähnen aufgeklebten Brackets werden mit einem durchgehenden Bogen verbunden. Da Brackets immer mittig auf die Zähne aufgeklebt werden, muss der Bogen die unterschiedlichen Brackethöhen zunächst durch Auslenkungen (Verformung) ausgleichen.

Die Thermobögen können nach relativ starker Verformung ihre ursprüngliche (programmierte) Gestalt wieder einnehmen.

Dies geschieht "temperaturbedingt". Bei kühleren Temperaturen lassen sich die Bögen leicht verformen - sie fühlen sich "weich" an. Wärme führt zur Rückstellung der ursprünglichen Gestalt - der Bogen wird "fest". Beim Einsetzen des Bogens im Mund und bei normaler Mundtemperatur im Bereich von 18-27 Grad ist der Bogen "superelastisch", weich und leicht verformbar. Bei höheren Temperaturen aber stellt sich der Bogen auf die ursprünglich vorgegebene (programmierte) Gestalt zurück.

Vorteile: Der Patient kann durch Spülen mit kaltem Wasser oder Eislutschen die "Spannung" des Bogens mindern. Es sind durch die hohe Elastizität des Bogens seltener Besuche beim Kieferorthopäden nötig.

Beim Einsatz von superelastischen Thermobögen sind in der Regel auch seltener Bogenwechsel notwendig; die Behandlungsdauer verkürzt sich.

Der Formgedächtniseffekt beruht auf einer thermoelastischen Martensitumwandlung, einer reversiblen durch Scherung der Gitterebenen bedingten Phasenumwandlung. Dieses Phänomen wurde erstmalig von einem Deutschen Forscher, Adolf Martens 1890 beschrieben. In der Kieferorthopädie wird dieser Effekt allerdings erst seit 1998 verwendet.

Foto: CroszatgerätAbbildung

Aus den gespeicherten Messdaten erstellte Kurvenschar (schmale, schwarze Kurven) mit dem gemittelten Kraft-Weg-Diagramm (dicke, graue Kurve). Der obere Ast der Kurven stellt jeweils die Aktivierungsphase dar, der untere die klinisch interessantere Deaktivierungsphase, bei der der Bogen den Zahn bewegt.

Aus "Fortschritte der Kieferorthopädie" Bd. 56 Autor: D. Segner Hamburg